Mittwoch, 10. August 2016

Melnik - Prag (52 km)

Entgegen der Wettervorhersage, nach der es den ganzen Tag regnen sollte, hatten wir vom Start bis genau vor dem Hotel in Prag keinen Tropfen. Erst als wir angekommen waren, begann es zu regnen - das nennen wir mal eine Punktlandung. Um eine Treppe zu umgehen, die sich mit Hänger, Hund und Gepäck verdammt schlecht macht, sind wir einen kleinen Umweg gefahren, damit wir mit einer Fähre über den Fluss kommen. So hatten wir uns allerdings die Fähre nicht vorgestellt, zumal es auch zuerst so aussah, als ob das Teil garnicht fährt.
Oben haben wir dann aber gesehen, dass man klingeln soll. Gut kein Ding, gelesen und getan. Ein noch schlaftrunkener Typ steckte seinen zerzausten Kopf aus dem Fenster und nuschelte völlig entspannt, was wohl soviel wie "geht gleich los" heißen sollte.
Bei der Frage, ob wir den Hänger abmachen sollen, winkte er ebenso entspannt ab und zottelte mit uns Räder samt Hänger auf sein Gefährt und ab ging die Fahrt.
Auf der anderen Seite machten wir eine kleine Pause und sahen zu, wie die Fähre weitere Radfahrer über den Fluss schifferte. Ein junges Paar, bei dem der Mann schon mal die Strecke nach Prag gefahren ist, war bei der 2. Überfahrt dabei. Der bestätigte, dass ein Zwischenabschnitt so schlecht sei, dass man ihn mit Hänger nicht fahren kann, ohne Gefahr zu laufen, das dieser in den Fluss abkippt, zumal es schon alleine mit Fahrrad sehr anstrengend wäre. Er würde ja die Strecke machen, zeigte dann auf seine Freundin, wolle ihr aber die Strecke nicht zumuten. Ja, so sind sie die neuen Helden - "immer wieder Rücksicht aufs schwache Geschlecht". Egal, wir mussten ja nicht mit Superheld fahren, die junge Frau hoffentlich nicht mehr sehr viele Fahrten und für uns war es die Bestätigung, lieber auf die Straße zu wechseln.
Kleine Hindernisse wie der Bahnübergang, der sich schloss und ewige Zeiten nicht mehr öffnete, alles gespannt auf den Zug wartete, der aber nicht kam, so dass die Schranke dann irgendwann aufgab und sich unverrichteter Dinge wieder öffnete, waren an diesem Tag eigentlich alles, was sich ergab. Entgegen unserer Erwartung - schlechtes Wetter, wilde Fahrten auf gefüllten Straßen, fiese Berge - alles relativ entspannt.
Als wir wieder den Weg an der Moldau nehmen konnten, trafen wir unseren Superhelden von der Fähre wieder. Sicherlich hat er seine Freundin ganz schön getrieben. Er konnte sich nicht verkneifen, ranzufahren und sich zu erkundigen, wie wir ihn überholen konnten. Ja, gekonnt ist halt gekonnt - suche dir die richtige Route.
Jimmy konnte den guten Weg noch einmal nutzen, um so zu tun, als ob er tapfer von Berlin nach Prag neben dem Rad hergelaufen sei.
3 Kilometer vor dem Hotel gab es noch einmal eine Entspannungspause. Hier versuchen sich die beiden mal als Seefahrer. Für Jimmy kein Ding, er wiegt sich in Sicherheit, da er nicht nass werden kann. Nur Thomas hat noch nicht erfasst, dass dies nicht so wirklich echt wirken kann. Aber spätestens beim Betrachten der Fotos, wird auch er darauf kommen, dass Rasen nicht nur wenig Wellen macht, sondern auch irgendwie als Kulisse ungeeignet ist. Naja, er hat seine Stärkten in Streckenerstellen, jetzt noch als Seemann wäre zu viel des Guten.
Auf jeden Fall freuen wir uns alle, dass wir es wieder einmal geschafft haben unser Ziel zu erreichen. Bedenken hatten wir beide, ob es alles gut geht, mit unserem kleinen Chaoten im Hänger. Ja, er hat sich als guter Reisebegleiter bewiesen.

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